Bild: Beim Abitur im zweiten Bildungsweg steht dir Unterhalt zu

Das Nachholen des Abiturs kostet Geld, das ist klar. Es gibt viele Möglichkeiten das Abitur – egal ob regulärer Abiturient oder als Nachholer – zu finanzieren. Eine Variante, die Finanzen aufzubessern, ist der Unterhalt. Lies, inwiefern Du einen Unterhaltsanspruch hast, welche Voraussetzungen gelten und ob ein Elternteil Dir Unterhalt zahlen muss.

Unterhaltsanspruch während der Weiterbildung?

Eltern sind gesetzlich verpflichtet, ihrem Kind die schulische und berufliche Ausbildung zu finanzieren. Im Gegenzug ist Kind verpflichtet, seine Ausbildung zügig und zielstrebig durchzuführen, damit es bald für sich selbst sorgen kann.

Grundsätzlich hast Du daher nur einen Anspruch auf Kindesunterhalt während der ersten Ausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss – beispielsweise durch eine bestandene Prüfung nach der Berufsausbildung oder dem Studium – endet in der Regel der Unterhaltsanspruch an die Eltern und sie können die Unterhaltszahlungen einstellen.

Unterhaltsanspruch

Unterhalt ist ein Geben und Nehmen: Nur wenn Du Leistung zeigst, hast Du im zweiten Bildungsweg einen Anspruch auf Unterhaltszahlungen!

Unterhaltsanspruch für Erwachsene ab 18 Jahren

Volljährige Kinder müssen ihren Lebensunterhalt grundsätzlich selbst bestreiten – wenn sie gesund und in der Lage sind, Geld zu verdienen. Aber es gibt Ausnahmen: Geht der Volljährige noch zur Schule, ist in der Ausbildung oder studiert, besteht der Unterhaltsanspruch fort. Hier gibt es auch keine Altersbegrenzung: Die Unterhaltspflicht der Eltern endet weder automatisch mit dem 18. Geburtstag noch mit dem 25. Geburtstag oder einem anderen festen Datum. Sie besteht grundsätzlich so lange, bis die Berufsausbildung des Kindes abgeschlossen ist. Studiert das Kind, ist die Unterhaltspflicht erst mit dem Ende des Studiums beendet.

Bei volljährigen Kindern werden die Ausbildungsvergütung und das Kindergeld voll auf den Unterhaltsanspruch angerechnet und davon abgezogen, da beides als eigenes Einkommen des Kindes angesehen wird.

Wie hoch ist der Unterhalt?

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

In der Düsseldorfer Tabelle kannst Du die Richtlinien zur Berechnung der Unterhaltshöhe nachlesen. Die hierin festgelegten Leistungen basieren auf den Grundlagen, die das Oberlandesgericht Düsseldorf für das Unterhaltsrecht in Deutschland festgelegt hat. Sie wird nicht jährlich erneuert, aktuell ist die Düsseldorfer Tabelle 2019 gültig.

Die Düsseldorfer Tabelle berücksichtigt das Einkommen, das Vermögen und die Lebensverhältnisse aller Beteiligten. Bei der Berechnung der Unterhaltshöhe werden einerseits das Einkommen des Unterhaltspflichtigen, also eines Elternteils, und sein eigener Lebensbedarf berücksichtigt. Auch eventuelle weitere Unterhaltspflichten haben einen Einfluss auf den Kindesunterhalt.

Natürlich wird auch der Bedarf des Kindes für die Unterhaltshöhe in Betracht gezogen, den Eltern steht jedoch genug Geld für den eigenen Selbstbehalt zu.

Bild: Die Düsseldorfer Tabelle regelt den Unterhaltsanspruch

Unterhaltsanspruch laut Düsseldorfer Tabelle 2019

Bist Du volljährig und lebst nicht mehr im Haushalt deiner Eltern oder eines Elternteils, gibt es einen festen Bedarfssatz. Dieser beläuft sich auf 735 € (Stand: Januar 2019). Darin sind bis zu 300 Euro für Miete enthalten. Bei getrennt voneinander lebenden Eltern muss jeder Elternteil den festgelegten Betrag im Verhältnis seines jeweiligen Einkommens aufbringen. Arbeitet der Volljährige nebenher oder hat er andere Einkünfte, z. B. aus Kapitalvermögen, gibt es in der Regel weniger Unterhalt. Auch dazu gibt es verschiedene Gerichtsurteile, eine fachkundige juristische Beratung ist also ratsam.

Tipp: Wenn du volljährig, aber unter 21 Jahre alt bist, kannst du dich für eine Beratung zum Unterhaltsanspruch an das zuständige Jugendamt wenden.

Unterhalt auch für den zweiten Bildungsweg?

Wie sieht es nun aus, wenn Du feststellst, dass die angefangene Ausbildung oder das Studium nicht das Richtige für Dich ist? Oder wenn Du das Abitur nachträglich ablegen und dann eventuell noch studieren willst? Unter bestimmten Bedingungen besteht der Anspruch auf Kindesunterhalt in einer zweiten Ausbildung oder einem Studium auch dann weiter.

Unterhaltsanspruch bei Abbruch der Erst-Ausbildung oder Wechsel des Studienfaches

Nicht immer entspricht eine begonnene Ausbildung oder das Studium den Fähigkeiten oder Neigungen des Kindes. Oft liegen auch gesundheitliche Gründe für einen Wechsel vor. Deine Eltern müssen einen Abbruch der Ausbildung bzw. einen Wechsel akzeptieren und bei einem Neuanfang weiter Unterhalt zahlen, sofern Du sachliche Gründe für den Wechsel vorgelegt kannst. Zu lange Zeit darf man sich hier aber nicht lassen: Üblicherweise wird ein Neuanfang spätestens nach ca. 18 Monaten Lehre bzw. bei einem Studienwechsel spätestens nach dem dritten Semester anerkannt.

Studium abgebrochen?

Wenn Du gute Gründe für einen Abbruch von Studium oder Ausbildung hast, verfällt Dein Unterhaltsanspruch bei einem Neuanfang nicht!

Unterhaltsanspruch bei Abitur – Lehre – Studium

Dass viele Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Abitur zuerst eine Ausbildung machen und dann erst ein Studium beginnen, ist keine Seltenheit mehr. Der Gesetzgeber hat sich daher angepasst und für diese berufliche Laufbahn eine Regelung für den Unterhalt getroffen. Der Unterhaltsanspruch besteht weiter, wenn

  • das Studium in einem sinnvollen inhaltlichen und sachlichen Zusammenhang mit der Ausbildung steht. Ein Beispiel: Du machst nach dem Abitur eine Banklehre und beginnst und kurz darauf ein Betriebswirtschaftsstudium. Hier wird die Banklehre sozusagen als Teilabschnitt des BWL-Studiums betrachtet.
  • Allerdings wird der Zusammenhang zwischen Ausbildung und Studium von den Gerichten recht weit gefasst: Auch ein Lehramtsstudium kann unter Umständen hier als zusammenhängend angesehen werden, wenn die Ausbildung in irgendeiner Form auf das Studium vorbereitet.
  • das Studium so schnell wie möglich nach Ende der Ausbildung begonnen wird. Denn es muss ein nachvollziehbarer zeitlicher Zusammenhang bestehen. Wer z. B. drei Jahre in seinem Ausbildungsberuf arbeitet und dann sein Studium beginnt, bei dem liegt dieser Zusammenhang nicht vor.

Unterhaltsanspruch in zweiter Ausbildung und Studium

Holst Du dein Abitur oder Fachabitur nach der Ausbildung nach, besteht eigentlich kein Unterhaltsanspruch. Für den Gesetzgeber ist die berufliche Ausbildung mit dem Abschluss der Lehre beendet. Das Nachholen des Abiturs mit einem anschließenden Studium wird daher als neue zweite Ausbildung angesehen. Der Gesetzgeber unterstellt hier erst einmal, dass der Betreffende nicht von Anfang an vorhatte, nach der Ausbildung sein Abitur nachzuholen, um dann zu studieren (sachlich-inhaltlicher und zeitlicher Zusammenhang).

Vielleicht gilt für Dich aber eine der folgenden Ausnahmen und du hast Anspruch auf Unterhalt:

  • Du hast deinen weiteren Bildungsweg (Abitur, Studium) bereits zu Beginn der Lehre geplant. Ein sachlich-inhaltlicher (siehe oben) und auch zeitlicher Zusammenhang muss dabei nachweisbar sein. So gibt es zum Beispiel ein Urteil des Oberlandesgerichtes Brandenburg, dass ein zeitlicher Zusammenhang nicht mehr gegeben ist, wenn zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn des Studiums mehr als ein Jahr Zeit vergangen ist.
  • Deine Begabung ist deutlich unterschätzt worden und Du konntest deshalb die Regelschulzeit nicht mit dem Abitur abschließen.
  • Du wurdest in die erste Ausbildung hineingedrängt, wolltest diese aber gar nicht machen.

Eltern müssen den zweiten Bildungsweg nicht unterstützen, wenn das Kind über einen längeren Zeitraum in seinem erlernten Beruf arbeitet, bevor es sich zu der Weiterbildung bzw. neuen Ausbildung entscheidet. Es kommt aber immer auch auf den Einzelfall an. Eine individuelle Beratung durch einen Fachanwalt für Familienrecht hilft Dir hier weiter.

Hinweis: Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Bitte wende dich für eine Rechtsberatung an das Jugendamt, wenn du noch keine 21 Jahre alt bist, oder an einen Fachanwalt.

Genauere Informationen über das Abitur an der Fernschule bekommst Du in unserem Artikel. „Abitur nachholen an der Fernschule!“

Quellen:

  • Familienportal des Familienministeriums: https://familienportal.de/familienportal/familienleistungen/unterhalt
  • familienrecht.net
  • https ://www.kanzlei-hasselbach.de/2018/ausbildungsunterhalt/04/